Audioventures

Augen zu und durch

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Audiolink: Zaatari – Gebrauchsanleitung eines Flüchtlingslagers

Dieses Feature ist Thema des kommenden Audioventures-Podcasts. Autorin Monika Kalcsics wird von ihrer Arbeit mit Mikrofon und Aufnahmegerät in dem Flüchtlingslager erzählen. Damit ihr euch die ORF/BR/WDR-Koproduktion vor dem Gespräch mit der Autorin anhören könnt, verlinken wir hier auf WDR 5.

Zaatari ist inzwischen eine der größten Städte Jordaniens – doch bis vor Kurzem war hier nichts als Wüste. Dann kamen die Flüchtlinge. Bis zu 1500 pro Nacht strömten aus Syrien in das Lager. Jetzt leben dort 100.000 Menschen. Die “Gebrauchsanleitung eines Flüchtlingslagers” zeigt, wie Hilfsorganisationen versuchen, das Lager zu managen – und vor allem wie die Flüchtlinge vieles selbst in die Hand nehmen.

Das Hacker-Syndrom

Das Hacker-Syndrom ist ein Portrait des Hackers Stephan Urbach und erzählt davon, wie er mit der Gruppe Telecomix in Ägypten und Syrien Oppositionelle unterstützt hat. Mit dem Autor Johannes Nichelmann diskutiere ich darüber, wie man ein Hörfunk-Porträt oder eine Sendung mit einem starken Protagonisten spannend gestaltet.

Das Hacker-Syndrom könnt ihr euch bei WDR 3 anhören. Wie alle Sendungen, über die wir in diesem Podcast sprechen, speisen wir sie auch in unseren Audiolinks-Podcast: http://audio.ventures/feed/audiolinks/

Audiolink: Das Hacker-Syndrom

Das Hacker-Syndrom ist Thema des kommenden Audioventures-Podcasts. Autor Johannes Nichelmann wird darin erzählen, wie die Sendung zustande gekommen ist. Damit ihr sie euch vorher anhören könnt, verlinken wir hier auf WDR 3.

Ich bin gerade auf der Third Coast International Audio Conference in Chicago, die eigentlich eine amerikanische Radio/Podcast-Konferenz ist. Und weil hier nur Radio-Leute sind, ist es kein Wunder, dass in jeder Session, die ich besucht habe, mindestens ein Mal Serial erwähnt wurde. Serial ist ein wöchentlicher Podcast, in dem eine wahre Kriminalgeschichte Stück für Stück aufgerollt wird. Weil Serial ein Spin-Off des Über-Podcasts This American Life ist, gab es seit der ersten Ankündigung des Projekts viel Aufmerksamkeit dafür.

In der Radiomacher-Community wird das Projekt intensiv verfolgt. Einerseits, weil alle neugierig auf neue Erzählformen im Radio/Podcast-Universum sind – eine große Fortsetzungsgeschichte hat es so noch nicht gegeben. Andererseits natürlich, weil die Story spannend ist. Der Anteil der 550 Third-Coast-Konferenzteilnehmer, die Serial noch nicht gehört haben, dürfte verschwindend gering sein. Serial ist das Gesprächsthema in den Sessions und beim Essen.

Radio-Nerds halt.

Aber zumindest in den USA scheint Serial auch außerhalb dieser Nische für Gesprächswert zu sorgen. Es gibt ein eigenes Subreddit für die Serie, und als ich diesen Beitrag schreibe, sind gerade 285 Leser auf der Seite, 7600 haben sie abonniert. Okay, 7600 Reddit-Nerds sind immer noch Nerds. Aber: Die Facebook-Seite von Serial verfolgen knapp sieben Wochen nach dem Start 38.000 Fans, auf Twitter sind es 34.000. Bei Bandcamp kaufen so viele Leute den Soundtrack, dass er auf der Startseite gefeatured wird. Zur Erinnerung: Es handelt sich um einen Podcast.

Die Berichterstattung in den Medien ist außergewöhnlich. Im New Yorker, im Wall Street Journal, im Guardian, überall Berichte über Serial. Die größten Serial-Fans treffen sich beim Magazin Slate. Dort gibt es unter der eigens eingerichteten Adresse slate.com/serial intensive Begleitberichterstattung. Slate hat sogar einen Meta-Podcast (iTunes, RSS) gestartet, in dem die jeweils aktuelle Serial-Folge besprochen wird. Auf Youtube finden sich Parodien, die man natürlich nur versteht, wenn man Serial gehört hat. Die Redakteure von Buzzfeed halten die Parodien nicht für zu speziell, um sie aufzugreifen. Und wer möchte schon Witze machen, die keiner versteht?

Es gibt noch mehr davon.

Audios verbreiten sich kaum viral im Netz, darüber gab es zuletzt viele Artikel. Aber Serial ist gerade dabei abzuheben.

Serial könnte so etwas werden wie die vielen amerikanischen Fernsehserien, die man gesehen haben muss, um auf Partys mitreden zu können. Folgerichtig nannte This-American-Life-Urgestein Nancy Updike das Fernsehen auf der Third-Coast-Konferenz scherzhaft “the old medium – from before podcasts.”

Das passt, denn vergleichbar zu den TV Networks bilden sich gerade verschiedene Podcast Networks wie Radiotopia. Sie vermarkten die Podcasts gemeinsam und machen es so für die einzelnen Produzenten einfacher, ihre Arbeit zu finanzieren. Alex Blumberg, ebenfalls Ex-This-American-Life’ler und Gründer des kommerziellen Podcast-Netzwerks Gimlet, gab auf der Konferenz zu bedenken, dass der Erfolg von Serial nicht von ungefähr kommt:

Three of the most talented, and three of the most expensive people in the entire system worked on Serial for a year.

Serial hat den Erfolg verdient. Und die Podcasts-Networks ebenfalls. Radiotopia sammelt gerade per Kickstarter Geld – mehr als 500.000 Dollar sind schon zusammen gekommen. Gimlet hat mehr als eine Million Dollar von Investoren eingesammelt (und eine Podcast-Serie darüber gemacht). Hebt Serial ab, wäre das der Beleg dafür, dass sich Investitionen in hochwertige Podcasts bezahlt machen. Dann  können wir uns hoffentlich auf mehr solide finanzierte, recherchierte und produzierte Shows freuen.

Radio Love

Spoiler Alert: In diesem Video werden wieder einmal Gesichter zu Radiostimmen gezeigt, die man sich ganz anders vorgestellt hat!

Wer damit leben kann erfährt, was Ira Glass (This American Life), Robert Krulwich und Jad Abumrad (Radiolab) sowie Kurt Andersen (Studio 360) am Radio so lieben. In der knapp einstündigen Talkrunde sind neben den offensichtlichen Antworten auf diese Frage aber auch einige interessante Gedanken und Informationen enthalten.

Mir war beispielsweise überhaupt nicht klar, dass es This American Life (TAL) schon seit fast 20 Jahren gibt – laut Wikipedia seit November 1995. Um so erstaunlicher, dass es erst jetzt ein deutsches Pendant dazu gibt.

Einhundert ist eine tolle Sendung, aber TAL beinahe unerreichbar gut. Das wird umso deutlicher, wenn Ira Glass in der Gesprächsrunde bestätigt, was ich bisher nur aus zweiter Hand gehört habe: Die Redaktion von TAL verwirft tatsächlich rund die Hälfte der Geschichten, nachdem sie schon fast fertig produziert sind. Eine TAL-Autorin hat mir mal geschildert, wie sie stundenlang mit Ira Glass an ihrem eigentlich schon fertigen Beitrag herum gebastelt hat. Die ganze Zeit habe sie nicht gewusst, ob er am Ende tatsächlich gesendet werden würde.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in Deutschland auch nur eine Hörfunk-Redaktion gibt, die sich derartig hohe Qualitätsansprüche leisten kann. Kein Redakteur hat so viel Zeit, sich mit einem Beitrag auseinanderzusetzen. Ausfallhonorare für Autoren sind die Ausnahme und nicht die Regel. Niemand würde einen signifikanten Anteil des Budgets einer Sendung in Beiträge investieren, die niemals on air gehen.

Am Anfang ist in der Radio-Love-Gesprächsrunde von der Renaissance des Radios in den USA die Rede. Wie es das Radio geschafft hat, nicht mehr nur eine vertonte Tageszeitung zu sein. Und am Ende klingt an, dass es ein Luxus ist, nicht tagesaktuellen Geschehnissen hinterher hecheln zu müssen, sondern sich für eine Stunde Radio pro Woche richtig Zeit nehmen zu können. Ich denke, da besteht ein Zusammenhang. Die Radio-Renaissance wie in den USA habe ich in Deutschland so noch nicht wahr genommen. Und ich fürchte, sie wird auch nicht so bald kommen. Gerade hat der WDR angekündigt, 500 Stellen streichen zu müssen. Ein neues Luxus-Produkt wird man sich da wohl nicht leisten wollen.

Sollte man aber. Denn die Radio-Renaissance ist notwendig und eine Hochglanz-Sendung als Aushängeschild hilft, das Medium wieder attraktiver zu machen. Viele Gebührenzahler fordern, dass die Fernsehsender mehr hochwertige Serien nach US-Vorbild produzieren. Mich wundert, dass noch niemand laut nach einem deutschen TAL oder Radiolab geschrieen hat. Aber das ist ja kein Grund für die Radiosender, es nicht doch zu versuchen.

Wer das Radio liebt, der liebt es nicht dafür, dass es in weiten Teilen eben doch eine Audio-Tageszeitung ist. Oder ein Spotify mit Ansagen. Oder ein Nebenbeimedium. In vielen Hörern ließe sich die Liebe zum Radio durch eine “weniger Output, mehr Qualität”-Philosophie sicher wiederbeleben.

Offenlegung: Ich arbeite regelmäßig für DRadio Wissen und habe auch schon zur Sendung Einhundert beigetragen.

 

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