Ich habe Andrew Norton bei einem Storytelling-Workshop kennen gelernt, bei dem wir von der Cème de la crème der Radioleute lernen konnten (man kann sich gerade wieder dort bewerben). Andrew hat das anscheinend nicht gereicht. Er hat einen intelligenten Weg gefunden, mehr darüber zu lernen, was gutes Radio-Storytelling ist: Er hat die Redakteure stundenlang interviewt.

Andrew hat dabei ganz unterschiedliche persönliche Blickwinkel auf Radio und Podcasts zutage gefördert. Auf der einen Seite Roman Mars, der eine persönliche Beziehung zum Publikum Wert legt und von Reportern erwartet, dass sie eine persönliche Beziehung zu dem Thema entwickeln und transportieren, über das sie berichten. Auf der anderen Seite die Kitchen Sisters, die sich so weit hinter ihren Protagonisten zurückziehen, dass sie selbst gar nicht mehr on air sind. Viele weitere Aspekte und Dos and Don’ts hat Andrew aus den Interviews herauskondensiert und in liebevoll gemachte Videos verpackt.

Bei dem erwähnten Workshop habe ich um so mehr Lust bekommen, selbst mehr mit Protagonisten und ihren Geschichten zu arbeiten. Ich habe beispielsweise eine Mutter und ihren Sohn interviewt, deren Mann und Vater im Gefängnis sitzen – und war überfordert, als beim Interview Tränen flossen. Ich habe einen jungen Amerikaner mit asiatischen Wurzeln interviewt, der zwischen verschiedenen Identitäten hin- und hergerissen ist. In dem Video oben sagt Glynn Washington etwas, das mich an diese Situationen erinnert:

Sometimes, in order to reach someone else’s heart, you have to open your own. And that can be scary. That can be a scary thing, but that’s part of it.

Das trifft auf die Protagonisten zu, die ihr Herz öffnen und damit die Herzen der Hörer erreichen. Es gilt aber auch für Reporter, die ihr Herz öffnen müssen.

Alle Videos gibt es auf This is Radio, zu jedem Video hat Andrew einen Hintergrund-Text auf transom.org veröffentlicht. Im Podcast spreche ich mit ihm, der ursprünglich Fotograf war, über Audio vs. Video – und welche Kompromisse er bei der einen oder der anderen Komponente zu machen bereit ist.